PEAK OIL

  1. Was ist Peak Oil?

     

    Peak Oil bezeichnet das Maximum der globalen Erdölförderung (präziser: der Erdölproduktionsrate). Nach Erreichen des Peak Oil geht das globale Angebot an Erdöl zurück – mit weit reichenden Konsequenzen für Wirtschaft und Gesellschaft. Peak Oil ist eine der grossen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts.

    Erdöl in seinen verschiedenen Qualitäten ist in einem mehrere Millionen Jahre dauernden, natürlichen Prozess entstanden. Das heisst, es entsteht kein neues Öl mehr, oder nur in einer vernachlässigbaren Menge. Die Rohölreserven sind also endlich.

    Das Produktionsprofil jeder nicht-erneuerbaren Ressource folgt einer „Glockenkurve“: Die pro Zeiteinheit geförderte Menge einer Bohrung, eines Feldes, eines Landes oder der ganzen Welt beginnt bei „Null“, steigt auf ein Fördermaximum, den Produktions-Peak (engl. =Gipfel) und fällt dann mit der Zeit wieder gegen „Null“. Die Form der Glockenkurve kann variieren, aber jeder Produktionsablauf erfolgt ohne Ausnahme in dieser Weise.

     

    Produktionskurve eines einzigen Ölfelds: Forties in der Nordsee
    Quelle: Department of Trade and Industry, UK.

     

    Alle fündigen Erdöl- und Erdgasbohrungen besitzen damit ein Fördermaximum, den Produktions-Peak. Das Gleiche gilt für jedes Öl- und Gasfeld, jede öl- und gasfördernde Provinz, jedes Becken oder Land, und kumulativ für die ganze Welt. Oben das Beispiel für ein einzelnes Erdölfeld. Unten das Beispiel für ein Erdölland.

     

    Produktionskurve aller indonesischen Ölfelder
    Quelle: Campbell, Oil Atlas.

     

    Peak Oil bedeutet also nicht, dass das Erdöl ausgeht. Der Peak wird bereits erreicht, wenn etwa die Hälfte des förderbaren Erdöls aus dem Boden gepumpt ist. Es wird nach wie vor sehr viel Öl gefördert werden, nur immer etwas weniger. Ohne einen grundlegenden Umbau unserer Energieversorgung und damit verbundener gesellschaftlicher Kernsysteme wird Erdöl deshalb nach Erreichen des Peak Oil dauerhaft knapp und teuer werden – mit fatalen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft.

    Häufig werden in der Energiedebatte die falschen Fragen diskutiert: Wie gross sind die Ölreserven? Wie lange reichen sie noch? Denn in Politik, Medien und der breiten Öffentlichkeit wird der Begriff „Peak Oil“ nicht klar verstanden. Entscheidend sind nämlich nicht die Reserven, sondern die Verfügbarkeit, das heisst die Förderrate, von Erdöl. Die ASPO Schweiz versucht, durch sachliche Information diese Problematik zu beleuchten und der Öffentlichkeit näher zu bringen.

     

     

  2. Was ist unkonventionelles Erdöl?

     

    Um die drohende Ölkrise zu verstehen, muss man sich bewusst sein, dass Erdöl nicht gleich Erdöl ist. Wichtig ist vor allem die Unterscheidung zwischen konventionellem und unkonventionellem Erdöl.

    Konventionelles Erdöl

    Konventionelles Erdöl ist relativ billiges, rasch verfügbares Erdöl und zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

    (1) geographisch günstige Lage

    (2) geringe Viskosität („Zähigkeit“)

    (3) hohe Permeabilität („Durchlässigkeit“) der umgebenden Gesteinsformation. 

    Dank dieser vorteilhaften Eigenschaften ist konventionelles Erdöl verhältnismässig einfach, günstig und mit niedrigem Energieaufwand zu fördern. Es macht heute den Grossteil (knapp 90%) der weltweiten Ölproduktion aus. 

     

    [3] Pyramid

    Ressourcen-Pyramide
    Quelle: Heinberg, Gross Society (2014).

     

    Unkonventionelles Erdöl

    Unkonventionelles Erdöl ist relativ teures, nur langsam verfügbares Erdöl und weist eines (oder mehrere) der folgenden Merkmale auf:

    (1) geographisch ungünstige Lage

    (2) hohe Viskosität

    (3) tiefe Permeabilität der umgebenden Gesteinsformation.

    Dies bedeutet, dass die Orte der unkonventionellen Erdölförderung tief, dunkel, kalt, abgelegen und gefährlich sind. Wegen dieser unvorteilhaften Eigenschaften ist die Gewinnung von unkonventionellem Erdöl in der Regel schwierig, teuer und nur mit hohem Energieaufwand und Umweltrisiko möglich. Unter dem Begriff unkonventionelles Erdöl werden sehr unterschiedliche Ressourcen zusammengefasst. Die wichtigsten Formen sind:

    • Tiefseeöl: unterseeische Ölvorkommen ab 500 Meter Wassertiefe. Bedeutende Fördergebiete liegen zum Beispiel im Golf von Mexiko oder vor der Küste Brasiliens.
    • Ölsande (Teersande): Ölvorkommen, deren Oberfläche freiliegt, so dass aufgrund der Verdunstung nur ein sehr zäher Teer (Bitumen) übrigbleibt, der durch Abbau, Erhitzen und Separierung verflüssigt werden muss. Ölsande-Vorkommen liegen vor allem in Kanada sowie in Venezuela und Sibirien.
    • Schieferöl (Light Tight Oil): besteht aus leichtem Rohöl, das in Gesteinsformationen von tiefer Permeabilität („Durchlässigkeit“) eingeschlossen ist (oft Schiefer- oder Sandstein). Damit die Förderung von Schieferöl wirtschaftlich ist, muss die Technologie des Hydraulic Fracturing (Fracking) angewandt werden. Die Ressource wird heute vor allem in den USA, genauer in Texas und North Dakota, aus dem Boden gepumpt.
    • Polares Öl: bezeichnet man Öl, das nördlich des 66. Breitengrades (z.B. in Alaska oder Sibirien) gefördert wird. Infolge der extremen klimatischen Bedingungen in der Arktis, ist die Förderung von polarem Öl technisch schwierig und mit sehr hohen Kosten und Risiken verbunden.

     

    Verschiedenen Formen flüssiger Treibstoffe (A: Konventionelles Erdöl; B: Unkonventionelles Erdöl; C: andere Flüssigtreibstoffe [kein Erdöl!])
    Quelle: ASPO Schweiz.

     

     

     

  3. Wann kommt Peak Oil?

     

    Beim konventionellen Erdöl wurde der Peak Oil bereits im Jahr 2005 erreicht. Das hat unterdessen auch die Internationale Energieagentur (IEA) bestätigt. Im World Energy Outlook 2013 prognostiziert die IEA, dass die weltweite Förderung von konventionellem Erdöl aus bestehenden Feldern bis 2035 von heute 69 auf 28 Millionen Fass pro Tag fallen wird. Das bedeutet, dass alle 4 bis 5 Jahre ein „neues Saudi-Arabien“ erschlossen werden muss, nur um das globale Angebot konstant zu halten. Da das rasch verfügbare konventionelle Erdöl zunehmend durch unkonventionelles Öl ersetzt werden muss, dessen Förderung einen grossen Aufwand erfordert und das deshalb nur langsam verfügbar ist, wird das Aufrechterhalten der bestehenden Fördermenge immer schwieriger.

     

    [5] Production

    Quelle: U.S. Energy Information Administration (EIA), 2014.

     

    Wann, und bei welcher Anzahl Fässer, der Peak Oil für alle Formen von Erdöl (konventionelles + unkonventionelles Erdöl) erreicht werden wird, lässt sich noch nicht genau bestimmen und hängt nicht nur von der Geologie, sondern auch von technologischen Entwicklungen, politischen Ereignissen und Entscheidungen und nicht zuletzt von der Wirtschaft ab. Einige Experten gehen davon aus, dass wir den Peak bereits erreicht haben und stützen sich darauf, dass die globale Erdölförderung in den letzten Jahren nicht oder nur marginal ausgeweitet werden konnte. Zum Beispiel kam die Energy Watch Group, ein internationales Netzwerk von renommierten Wissenschaftlern, 2013 zum Schluss, dass der Peak Oil heute bereits erreicht ist und die globale Erdölproduktion bald kontinuierlich zu sinken beginnt: „Gemäss unserer Analyse ist es ziemlich wahrscheinlich, dass die weltweite Ölförderung im Jahr 2030 im Vergleich mit 2012 um 40 Prozent zurückgegangen sein wird“.

     

    [6] Production Countries

    Globale Erdölproduktion, 1900-2011
    Quelle: Zittel, 2012.

     

    Die ASPO Schweiz ist aufgrund ihrer Analysen überzeugt, dass Peak Oil bald, das heisst spätestens Anfang der 2020er Jahre, erreicht werden wird. Unabhängig vom genauen Jahr müssen aber bereits heute entschieden Massnahmen ergriffen werden, um die grosse Herausforderung Peak Oil erfolgreich zu bestehen. Schliesslich ist die Transition vom bestehenden, auf fossiler Energie beruhenden Energiesystem zu gesellschaftlichen Systemen, die sich weitgehend auf erneuerbare Energien stützen, ein Prozess, der mindestens eine Generation lang dauern wird.

    Gemäss einem für das US-Energieministerium verfassten Bericht hat die Welt nie zuvor vor einem Problem wie Peak Oil gestanden. Ohne die Einleitung drastischer Massnahmen mindestens ein Jahrzehnt vor dem Peak werde das Problem tiefgreifend und dauerhaft sein, da sich Peak Oil „abrupt und revolutionär“ auswirken werde. Mit der unvermeidbaren Transition unserer Energiesysteme weg vom Erdöl bis zur letzten Minute zu warten, würde deshalb verheerende Konsequenzen haben.

     

     

  4. Ist die Schweiz abhängig von Erdöl?

     

    Energieverbrauch der Schweiz nach Energieträgern, 1910-2013
    Quelle: Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2014.

     

    Erdöl ist die mit Abstand wichtigste Primärenergiequelle für die Schweiz, auch wenn mehr über Atomkraft, Sonnenenergie oder Wasserkraft geschrieben und debattiert wird. Der Verbrauch von Erdöl, wie aus der Grafik des Bundesamtes für Energie oben ersichtlich, hat vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr stark zugenommen.

    Die Schweiz deckt zurzeit ihren Energiekonsum zu 43% mit Erdöl, zu 23% mit Atomenergie, zu 12% mit Wasserkraft und zu 11% mit Erdgas. Unser Land ist daher zu knapp 80% von den nicht erneuerbaren, fossilen Energieträgern Öl und Gas sowie der Atomenergie abhängig, aus welcher Bundesrat und Parlament 2011 den Ausstieg beschlossen haben. Ausserdem ist Erdöl im Transportbereich und als industrieller Rohstoff schwierig substituierbar.

     

    Gesamtenergiestatistik_2  

    Anteil der Energieträger am Bruttoenergieverbrauch und Endverbrauch der Schweiz (2013)
    Quelle: Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2014.

     

    Die Gefahr eines zukünftigen Mangels an Strom („Stromlücke“) wird heute schon im politischen und volkswirtschaftlichen Rahmen diskutiert. Weniger debattiert wird dagegen die Problematik der zukünftigen Verfügbarkeit von Erdöl und Erdgas, obwohl zwei Drittel des Endverbrauchs von fossilen Energieträgern bereitgestellt wird und weniger als ein Viertel durch Elektrizität. Ausserdem produziert die Schweiz selber kein Erdöl. Unser Öl wird aus instabilen oder autokratisch regierten Ländern wie Kasachstan, Aserbeidschan, Libyen, Algerien und Nigeria importiert. Diese Länder haben ihren nationalen Peak Oil bereits überschritten. Angesichts eines stagnierenden und in absehbarer Zeit rückläufigen globalen Erdölangebots dürften sich Konkurrenz und Konflikte um diese Reserven zusehends verschärfen.

    Die Schweiz braucht deshalb dringend eine umfassende Energiedebatte.

     

     

  5. Führt Peak Oil zu Wirtschaftskrisen?

     

    Eine Studie der deutschen Bundeswehr von 2010 kommt zum Schluss, dass das Erreichen des globalen Ölfördermaximums zur Desintegration komplexer Wirtschaftssysteme führe und so direkte, teilweise schwerwiegende Auswirkungen auf viele Lebensbereiche zeitige. 

    Die Folgen von Peak Oil sind sehr komplex und heute schwierig vorherzusagen. Auf jeden Fall aber haben rasche Anstiege des Ölpreises im 20. Jahrhundert, in dem das ökonomische Leben von verhältnismässig günstigem und reichlich vorhandenem Erdöl angetrieben wurde, fast immer zu einer wirtschaftlichen Abkühlung geführt. Umgekehrt wurden vier der letzten fünf globalen Rezessionen von Ölpreisschocks ausgelöst. 

    Historiker kennen heute vor allem zwei Energiekrisen, die auch als „Ölkrisen“ bezeichnet werden: Jene von 1973 und jene von 1979/80, als die Erhöhungen des Rohölpreises in den Industrieländern eine starke Rezession auslösten. Um das knappe Angebot an Erdöl zu rationieren, wurden auch in der Schweiz Sonntagsfahrverbote erlassen. In den USA wurden spezielle Benzinnoten gedruckt (Bild), welche dem Inhaber das Recht gaben, Benzin zu erwerben. Sie wurden aber nicht verwendet, da sich die Krise relativ schnell wieder entspannte.

     

     

    Beide Krisen hatten politische und nicht geologische Gründe: 1973 drosselte die OPEC nach dem Yom Kippur Krieg die Erdölproduktion, der Ölpreis stieg von rund drei Dollar pro Barrel auf über fünf Dollar – und im folgenden Jahr sogar auf über 12 Dollar; bei der zweiten Energiekrise stieg der Ölpreis in Folge der Islamischen Revolution im Iran und dem Beginn des Ersten Golfkriegs auf 38 US-Dollar. Beide historisch bekannten Energiekrisen endeten, als sich die politische Situation entspannte. Sie sind daher nur beschränkt mit der Peak Oil Energiekrise vergleichbar, da jene geologisch bedingt ist und kein absehbares Ende hat.

    Die ökonomischen Probleme beginnen aber nicht erst, wenn die globale Fördermenge tatsächlich zu sinken beginnt. Peak Oil macht sich bereits heute bemerkbar: Die Weltwirtschaftskrise von 2008/2009 wurde zu einem grossen Teil durch den dramatischen Anstieg des Erdölpreises ausgelöst, der zwischen Sommer 2002 und Sommer 2008 um über 500 Prozent in die Höhe schoss. Die Ursache für die Preisexplosion war, dass die weltweite Fördermenge nach dem Erreichen des Peak beim unkonventionellen Öl zwischen 2005 und 2008 nicht ausgeweitet werden konnte, während gleichzeitig die globale Erdölnachfrage rasch zunahm – insbesondere in den BRIC Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) und in den Ölförderländern des Nahen Ostens.

     

    Quelle: Bardi, 2012.

     

    Der nächste Preisschock mit verheerenden ökonomischen Auswirkungen ist nur eine Frage der Zeit, sollte die globale Erdölnachfrage weiter ansteigen. Da der Rückgang beim einfach, günstig und mit geringem Energieaufwand förderbaren Erdöl in den kommenden Jahren vermehrt durch unkonventionelles Erdöl ersetzt werden muss, dessen Förderung schwieriger, teurer und energieintensiver ist, werden die Kosten der Ölproduktion zunehmen. Ausserdem wird der Nettoenergiegewinn, der so genannte Energy Return on Investment (EROI), immer kleiner. 

     

    EROI für die globale Öl- und Gasförderung mit linearer Extrapolation
    Quelle: Gupta und Hall, 2011.

     

    Die entscheidende Frage lautet deshalb, wie lange sich unsere Volkswirtschaften Erdöl noch werden leisten können, bevor durch relative Knappheit ausgelöste Preissteigerungen wirtschaftliches Wachstum verunmöglichen und neue Rezessionen verursachen. 

     

     

  6. Führt Peak Oil zu Krieg?

     

    Viele Menschen, die zum ersten Mal vom Phänomenen Peak Oil hören und sich über die weit reichenden globalen Konsequenzen Gedanken und auch Sorgen machen, stossen auf die Frage: Führt das zu Krieg? Und führt das zu Terror, wenn etwa in muslimischen Staaten Regierungen gestürzt oder diktatorische Unrechtsregimes unterstützt werden, da ihre Länder über die grössten Erdölreserven verfügen?

     

     

    Diese Fragen sind politisch sehr brisant. Einerseits wäre es unsinnig zu behaupten, dass sich alle Kriege um Erdöl oder Erdgas drehen. Dies wird sofort klar, wenn man bedenkt, dass die Erdölgeschichte nur 150 Jahre alt ist, während die Menschen untereinander schon seit Tausenden von Jahren Kriege führen. Andererseits wäre es ebenso unsinnig zu behaupten, dass niemals mit Gewalt um Erdöl oder Erdgas gekämpft wurde und wird. Die Kontrolle über grosse Erdölreserven zu erlangen, auch mit dem Instrument des Krieges, kann ein Ziel der Machtpolitik sein, denn alle Industriestaaten sind in sehr hohem Grade vom Erdöl abhängig. Deshalb kommt dem Erdöl in der internationalen Politik heute eine strategisch äusserst wichtige Rolle zu.

    Die Weltmacht USA haben seit dem Zweiten Weltkrieg mehrere Male wegen Erdölinteressen im Nahen Osten militärisch interveniert oder mit Hilfe ihrer Geheimdienste eine Regierung gestürzt. Geopolitisch aufsteigende Staaten mit hohem Wirtschaftswachstum wie China versuchen bereits sehr aktiv, ihre Erdölversorgung langfristig abzusichern und scheuen dabei auch nicht vor Konflikten mit anderen Staaten zurück. Und grosse Exportländer wie Russland setzen Erdöl und Erdgas als aussenpolitisches Machtmittel ein. Der kommende Peak Oil droht solche Kämpfe zu intensivieren.  

     

     

  7. Hängen Peak Oil und Klimawandel zusammen?

     

    Die beiden grossen gesellschaftlichen Probleme „Peak Oil“ und „Globale Erwärmung“ sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden und verschärfen sich gegenseitig.

    Einerseits beschleunigt der zunehmende Ersatz von konventionellem Erdöl durch unkonventionelles Erdöl den Klimawandel. Unkonventionelles Öl und auch Biokraftstoffe haben nämlich meistens einen deutlich grösseren Effekt auf die globale Erwärmung als konventionelles Erdöl. Ein Fass Öl, dass aus kanadischen Teersanden gewonnen wird, führt zu mindestens drei Mal so viel Treibhausgasemissionen wie ein in der saudi-arabischen Wüste gefördertes Barrel. Aus Palmöl in Indonesien gewonnener Dieseltreibstoff ist sogar zehnmal schädlicher für das Klima als konventioneller Diesel. 

    Andererseits verschärfen die Auswirkungen des Klimawandels die Peak Oil Problematik. Die Häufung schwerer Unwetter führt zunehmend zu Beschädigungen der Erdölinfrastruktur und damit zu Produktionsausfällen. An vielen Orten wird die Erdölförderung angesichts der Zunahme extremer Wetterereignisse unter schwierigeren Bedingungen erfolgen – und damit teurer. Hurrikans im Golf von Mexiko beispielsweise bedrohen etwa einen Viertel der US-Ölproduktion und ganze 40 Prozent der amerikanischen Raffineriekapazitäten. Sollte der Klimawandel zu weiter verbreiteten und schwereren Dürren führen, dürfte sich auch die Bereitstellung der riesigen Wassermengen für die Förderung von Schieferöl und Schiefergas immer schwieriger gestalten.

     

    Explosion der Ölbohrplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im April 2010

     

    Ausserdem wird die Kontrolle der globalen Erwärmung und ihrer Risiken innerhalb der nächsten 10 Jahre politische Massnahmen erfordern, die den Verbrauch fossiler Energien drastisch einschränken. Das Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) kommt in einem Bericht vom April 2014 zum Ergebnis, dass zwei Drittel der bekannten Ölreserven im Boden bleiben müssen, um eine 50%-Chance zu wahren, dass die globale Durchschnittstemperatur um nicht mehr als 2 Grad Celsius ansteigt, verglichen mit dem vorindustriellen Stand. Entsprechend hält das IPCC fest, dass die weltweite Energieversorgung schnell und grundlegend umgebaut werden muss.

    Schliesslich erfordern die Probleme „Peak Oil“ und „Globale Erwärmung“ aber dieselbe Lösung: Den Aufbau gesellschaftlicher Systeme, die weitgehend auf nicht-fossilen Energiequellen beruhen.

     

     

  8. Was kann man tun?

     

    Peak Oil ist eine grosse Herausforderung, deren erfolgreiche Bewältigung das Engagement von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft erfordert.

    Als erstes ist es wichtig, die Information über Peak Oil unter Freunden und Bekannten zu verbreiten. Nur wenn die Information und das Bewusstsein da sind, wird es möglich sein, diese grosse Herausforderung zu meistern. Konkret und sofort kann man dafür vier Dinge tun:

    1. Werden Sie Mitglied im gemeinnützigen Verein ASPO Schweiz. Mitglied werden können Sie hier.
    1. Helfen Sie auf digitalem Weg, die Information über Peak Oil zu verbreiten. Machen Sie dazu auf diese Internetseite aufmerksam, indem Sie eine E-Mail an Freunde versenden, einen Tweet an Ihre Followers verfassen, oder diese Internetseite auf Ihrer eigenen Webpage verlinken.
    1. Die ASPO Schweiz hat zudem einen Flyer mit dem Titel „Peak Oil: Was ist das?“ drucken lassen, um über das Problem zu informieren. Wer solche Faltblätter an Freunde und Bekannte oder an einem Anlass verteilen möchte, möge eine E-Mail mit Angabe der Postanschrift und der Anzahl gewünschter Faltblätter an aspo@aspo.ch senden. Das ASPO Sekretariat wird Ihnen danach die Flyer zukommen lassen.
    1. Unabhängig davon, ob man ASPO Mitglied ist oder nicht, und unabhängig davon, ob man bei der Verbreitung von Informationen über Peak Oil mithelfen mag oder nicht, kann sich jeder persönlich in seinem Leben für nachhaltige Entwicklung, die Förderung erneuerbarer Energien, Effizienz und Sparsamkeit beim Energieverbrauch und zivile Konfliktlösung einsetzen.